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Als Streber verspottet und bedroht
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Das jugendliche Filmteam an der Fürstenbergschule
und die Lehrerin Elisabeth Pyhel (2.v.r.) wurden
von Jennifer Lysikov (3.v.r.) und Mario Bauer (2.v.l.) vom Bennohaus unterstützt. (Foto: -spe-) |
| Münster - Es ist ja nur ein Film . . . Aber was für einer: Da
ist ein Neuer in der Klasse, der hat es schwer. Erst wird er als Streber
verspottet, dann kriegt er Papierkügelchen ab. Und später, als
es bedrohlich wird, geht er lieber allen ängstlich aus dem Weg. Mobbing
nennt man das.
Wie gesagt, nur ein Film. Aber ein sehr wirklichkeitsnaher. Schüler
der Fürstenbergschule haben ihn als Teil des Projekts "Verantwortung
lernen!" geschrieben, gespielt und gedreht. Und die jugendlichen
Filmemacher wissen offenbar genau, worum es sich handelt. Darum, dass
Neue, die nicht auf Anhieb als cool auffallen und akzeptiert werden, richtig
Ärger kriegen, einfach nur so. Ärger, der schlimmstenfalls in
Psychoterror und Gewalt ausarten kann. Der Schluss des Films ist ein bisschen zu einfach. Aber er ist ja auch für Kinder, am besten für Kinder im Grundschulalter. Denen soll der Film präsentiert werden, vielleicht von den Filmemachern selbst, die sich als Ansprechpartner anbieten würden - aber das ist noch nicht in trockenen Tüchern. Erst mal liegt das kleine Acht-Minuten-Stück als DVD vor, und das ist ja schon was. Entstanden ist das Ganze im "Wahlpflichtunterricht" von Elisabeth Pyhel in der siebten und achten Klasse an der Fürstenbergschule. Dieser "WPU" ist eine Alternative zu Fächern wie Kunst, Textiles Gestalten, Hauswirtschaft oder Gärtnern; eine Plattform für alle möglichen Projekte. Zum Beispiel für "Verantwortung lernen!" - das Projekt war dem Kollegium der Fürstenbergschule vor Jahresfrist von Dr. Jutta Schröten vorgestellt worden. Elisabeth Pyhels Schüler wollten sich sozial engagieren - am liebsten an den Grundschulen der Umgebung. So ist die Idee eines Films von Hauptschülern für Grundschüler entstanden, und das Thema Gewalt stand schnell auf der Tagesordnung. Um Auswege zu zeigen: den Weg zum Streitschlichter, den Weg zum Gespräch, den Weg zu neuen Freunden. "Ob die was draus lernen, liegt an denen", sagen die jungen Filmemacher mit Blick auf ihre Zielgruppe. Filmemachen ist cool, aber nicht einfach. Die Fürstenbergschüler hatten Unterstützung vom Medienzentrum im Bennohaus. Ein fünfköpfiges Team hat die Gruppe mehrere Wochen lang begleitet und beraten; beim gemeinsam verfassten Drehbuch und beim Dreh in der Schule. Nur das Schneiden, das haben die Profis hinterher lieber selbst gemacht. Was hat es gebracht? Sehr viel, sagen die Beteiligten und Elisabeth Pyhel. Theoretisch wissen jetzt alle, wie man mit dem Thema Gewalt umzugehen hat. Theoretisch wissen jetzt alle, wie man sich als Gewaltopfer fühlt. Theoretisch sind auch alle bereit, mit dem Film im Gepäck in Grundschulen aufzutreten und über Gewalt und Mobbing zu sprechen. Ob das Ganze auch in der Praxis klappt, zeigtsich im neuen Schuljahr. VON LUKAS SPECKMANN, MÜNSTER ( WN vom 18.07.2008) |